Wer ich bin:
Ich heiße Ewelin Cäcilie Wawrzyniak (25), bin Psychologiestudentin an der Ruhr-Universität-Bochum und führe diese Untersuchung im Rahmen meiner Diplomarbeit durch.
Mein Betreuer bei dieser Arbeit ist Dr. Rainer Künzel von der Arbeitseinheit Klinische Psychologie.
Bei Fragen - welcher Art auch immer - schreiben Sie mir bitte eine E-Mail an: wawrzyniak@benecke.com
(Anm. zu der E-Mail und URL-Adresse, da die Frage oft gestellt wird:
Ich habe diese Adressen auf dem Benecke-Server, weil ich aufgrund meines Interesses am forensischen Bereich der Psychologie ab und zu mit
Mark Benecke zusammen arbeite und er mir nach einem Serverschaden meines letzten E-Mail-Anbieters netter Weise anbot, seinen Server für meine E-Mail und auch für diese Informations-Seite hier mitzubenutzen.
Mein hier laufendes Projekt läuft allerdings ausschließlich in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum und hat mit ihm und seiner Arbeit nichts zu tun. Der eigentliche Fragebogen und die Rohdaten liegen nur auf dem Server der Uni Bochum.)
Wie komme ich darauf, dieses Thema zu untersuchen?
SM als klinische Diagnose - Fakten, Vorurteile und die aktuelle EntwicklungBeim Studium der klinischen Psychologie stößt man auf das Thema Sadomasochismus (im Folgenden mit SM abgekürzt) im Themenbereich der sexuellen Störungen. Das Thema wird im Studium eher am Rande erwähnt, da es in der praktischen Arbeit niedergelassener Psychotherapeuten kaum eine Rolle spielt (die meisten Sadomasochisten leben ihre Neigung im einvernehmlichen Rahmen und zur Zufriedenheit der Beteiligten aus, sodass es keinen Grund für sie gibt, jemals deswegen einen Psychologen aufzusuchen ).
Allerdings enthalten die beiden
aktuellen Diagnosesysteme ICD-10 und DSM-IV (die die Richtlinien angeben, nach denen Psychologen und Psychiater psychische Störungen bei Menschen diagnostizieren ) Sadomasochismus:
- Im ICD-10 wird SM im Abschnitt "Störungen der Sexualpräferenz" unter dem gemeinsamen Begriff "Sadomasochismus" (genauer ICD-Text hier) aufgeführt.
- Im DSM-IV wird im Abschnitt "Paraphilien" als getrennte Begriffe "sexueller Sadismus" und "sexueller Masochismus" (genauer DSM-Text hier) aufgeführt.
Zahlreiche Sadomasochisten fühlen sich durch die Klassifizierung ihrer sexuellen Neigung als psychische Störung diskriminiert und setzten sich - auch Bezug nehmend auf die
Anerkennung der Homosexualität als Spielart der menschlichen Sexualität ohne Krankheitswert - aktiv für die Streichung des SM aus den klinischen Diagnosemanualen ein (siehe Infos der
Bundesvereinigung Sadomasochismus).
In der klinischen Praxis wird die Diagnose "Sadomasochismus" - wie erwähnt - als für sich stehende Störung kaum vergeben. Ausnahme ist der Bereich der forensischen Psychologie und Psychiatrie, wo bei der Begutachtung von Sexualstraftätern diese Diagnose durchaus vorkommt.
Dies ist allerdings schon einer der Problempunkte der Diagnose: Dadurch wird eine vermeintliche Verbindung zwischen Menschen, die SM einvernehmlich praktizieren und solchen, die in ihren Straftaten sadistisch motiviert sind, hergestellt, die so nicht existiert.
Zusatz-Info:
Der Psychologe Prof. Dr. Peter Fiedler unterscheidet in seinem Buch "Sexuelle Orientierung und sexuelle Abweichung" zwischen "sexuellem Masochismus", "inklinierendem sexuellen Sadismus" und "periculärem sexuellen Sadismus".
Die ersten beiden Begriffe werden von ihm für im Einvernehmen und zur Zufriedenheit der Beteiligten praktizierte SM-Handlungen verwendet (gut auf den Punkt gebracht mit dem in der SM-Szene gängigen Begriff "SSC" (Safe, Sane & Consensual), während der "periculäre sexuelle Sadismus" eben die zwanghafte, krankheitswertige Form des Sadismus ist, bei dem die Betroffenen die Grenze zwischen Phantasie und Realität irgendwann nicht mehr unterscheiden können.
Oft im Zusammenhang mit einer Impulskontrollstörung, Substanzmissbrauch oder -abhängigkeit und sozialer Isolierung werden die periculären sexuellen Sadisten zu einer Gefahr für ihre Umwelt. Es ist - wie Fiedler es in seinem Buch auch darstellt - aber extrem wichtig, diese beiden Begriffe als völlig unterschiedliche Phänomene zu werten, was schon daran zu erkennen ist, dass eine große Anzahl von Menschen SM-Praktiken betreibt, ohne dass dabei jemals die Grundregel des SSC verletzt wird.
Im Gegenteil ist sogar in dem Buch "Psychiatrische Begutachtung - Ein praktisches Handbuch für Ärzte und Juristen" von U. Venzlaff und K. Foerster (auf der Seite 293) zu lesen: Kaum jemals verüben Teilnehmer aus dieser Subkultur sadistische Straftaten, während umgekehrt sadistische Delinquenten keinen Anteil an der Subkultur haben.
Da das Thema SM - wie eben ausgeführt - sowohl in der klinischen als auch in der forensischen Psychologie eine Rolle spielt, war ich verwundert, wie wenige gesicherte Erkenntnisse es dazu bis heute gibt. Zu der Frage nach der Entstehung von und wichtigen Einflussfaktoren auf gelebten, inklinierenden SM, gibt es in der Fachliteratur nicht viel mehr als unüberprüfte bzw. unüberprüfbare Theorien zu finden.
Dies brachte mich auf die Idee, selbst nach vielleicht neuen Erkenntnissen zu suchen. Zunächst recherchierte ich im Internet, suchte themenspezifische Foren und Chatrooms auf und fand auch Hinweise zu themenspezifischen Stammtischen. Ich lernte so viele freundliche und offene Menschen kennen, die mir von ihrem Leben, dem Entdecken und Ausleben ihrer Neigung berichteten und mir auch viele Anregungen für meine Untersuchung gaben. Besonders viel Unterstützung bekam ich von Mitgliedern der
SMJG, denen ich hier für ihre Anregungen und Unterstützung danken möchte. So entstand nach vielen Gesprächen und Überlegungen der hier nun online stehende Fragebogen.
Wer kann bei dieser Untersuchung mitmachen?
Es geht mir bei meiner Untersuchung darum, verschiedene Faktoren im Hinblick auf die Frage, ob es irgendwelche Unterschiede zwischen Sadomasochisten und Nicht-Sadomasochisten gibt oder nicht, zu untersuchen. Daher sollen an dieser Untersuchung Menschen der verschiedensten Neigungen, Altersstufen, Berufsgruppen usw. teilnehmen.
→ Kurz: Jeder kann bei dieser Untersuchung mitmachen!
Wird die Anonymität gewahrt?
Da dies ein Universitätsprojekt ist, kann ich auch im Namen der Universität zusichern, dass alle Ergebnisse absolut anonymisiert (also auch ohne Erfassung der IP-Adresse) gespeichert und ausgewertet werden. Es geht bei dieser Untersuchung nur um Effekte zwischen Gruppen und nicht um die Ergebnisse der einzelnen Person.
Was hat man davon, hier mitzumachen?
Das Ausfüllen des Fragebogens dauert ca. 40 min. Trotzdem ist der Fragebogen sehr abwechslungsreich, umfasst viele Themen und sollte daher nicht langweilig werden.
Da es eben wenige Erkenntnisse zum Thema gibt, hilft jeder, der hier mitmacht, interessante und neue Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu finden.
Je mehr Menschen mitmachen, desto besser und eindeutiger werden die Ergebnisse.
Damit die Teilnehmer auch etwas davon haben, werde ich meine Diplomarbeit Ende Januar 2009 ungekürzt hier (auf dieser Seite) zum downloaden zur Verfügung stellen. Sie können also alle Ergebnisse, die auch dank Ihrer Teilnahme entstanden sind, in aller Ausführlichkeit nachlesen.
Zum Abschluss eine wichtige Anmerkung
Es ist sehr wichtig, dass der Fragebogen wahrheitsgemäß beantwortet wird. Um den Teilnehmern direkt eine mögliche Sorge zu nehmen: Es geht bei dieser Untersuchung nicht um die Klärung der Frage, ob inklinierender SM einen Krankheitswert hat! Diese Frage kann laut Fiedler - der mit seinem Buch das Standardwerk zum Thema "Sexuelle Orientierung und Sexuelle Abweichung" (siehe oben) herausgegeben hat - aufgrund logischer Überlegungen verneint werden. Daran werden auch die Ergebnisse dieser Untersuchung nichts ändern.
Es geht hier nur um die Klärung der Frage, welche Faktoren bei Sadomasochisten eventuell anders ausgeprägt sind als bei Nicht-Sadomasochisten.
Alle Arten von unwahren Antworten schaden nur der Untersuchung und vor allem der Suche nach wahren Erkenntnissen! Dabei spielt es wirklich keine Rolle, ob man bestimmte Fragen unwahr beantwortet, um sich besser darzustellen (was bei einer völlig anonymisierten Untersuchung ohnehin unnötig ist), oder vermeintlich unangenehme Gebiete nicht in Zusammenhang mit SM zu bringen.
Hierzu möchte ich ein anschauliches Beispiel liefern:
Ein Sadomasochist kann an einer Depression leiden, ohne dass dies den Schluss zulassen würde, dass SM und Depressionen grundsätzlich zusammenhängen. Eine Depression kann sich beispielsweise völlig unabhängig von der vorhandenen Neigung entwickeln oder könnte durch soziale Schwierigkeiten aufgrund der Neigung mit verursacht werden, was aber nicht die Neigung selbst, sondern den Umgang der Gesellschaft mit dieser als Problemfaktor in Frage kommen ließe.
Es bewirkt also wirklich nichts Positives, die Ergebnisse zu verfälschen, macht aber die ganze Arbeit, die alle Beteiligten in diese Untersuchung stecken, weniger aussagekräftig.
Vielen Dank für Ihre Beteiligung!
Die Diplomarbeit kann hier gratis heruntergeladen werden (klick).